Ich habe jetzt meinen zweiten Blog-Beitrag in Folge verloren: erdacht, geschrieben, mit Bildern ausgemalt, publiziert - weg. Das, und die Tatsache, dass Webjam langsam und kompliziert für unsere Zwecke scheint, haben mich jetzt endgültig dazu bewogen, das Blog umzuziehen.
Wir sind jetzt die Missoulaines bei Posterous:
http://missoulaines.posterous.com
Kommt alle mit und bleibt uns gewogen.
0 Comments- Add comment Written on 04-May-2010 by sylkeIch habe jetzt zum zweiten Mal einen tief durchdachten und ausgefeilt getexteten Blog-Beitrag verloren. Webjam hat ihn einfach verschluckt. Das ist frustrierend, ärgerlich und traurig. Manche Gedanken kann man eben nur einmal genauso formulieren. Deswegen habe ich jetzt beschlossen, das Blog umzuziehen. Ich bin noch nicht sicher wohin und experimentiere noch mit ein paar verschiedenen Plattformen.
Diesmal muss es vor allem schnell und praktisch sein. Die langen Pausen zwischen den Beiträgen lagen auch daran, dass es hier immer langsamer wurde. Ich lasse Euch so bald wie möglich wissen, wie und wo es weitergeht. Nicht verzagen.
0 Comments- Add comment Written on 03-May-2010 by sylkeMan hat in der Agentur gesessen. 10-12 Stunden am Tag, mit Kopfhörern, die beruhigende Musik über den allgemeinen Geräuschpegel legen. Mit einem Outlook-Kalender voller Meetings, mit lieben Kollegen, die einen zum Mittagessen begleiten, oder die einem Caramel-Latte an den Schreibtisch bringen, wenn man mal wieder keine Zeit findet, sich selbst einen zu holen.
Nun sitzt man im Home Office. Das Heim wird zum Arbeitsplatz. Man muss sich morgens nicht mehr schick machen, geschweige denn anmalen. Man muss theoretisch nicht mal aufstehen, denn das Laptop lässt sich auch im (B)office betippeln. Man kann (und wird) zwischendurch mit dem und spatzieren gehen, Wäsche waschen, kochen, sich selbst einen Kaffee oder Tee machen (selbst gemachter Caramel-Latte ist nur halb so nett, wie an den Tisch gebrachter und zu aufwendig). Kollegen sieht man nur noch in Skype-Video-Telefonaten. Da kann man zwar nicht abends noch mal schnell was trinken gehen, oder spontan in der Mittagspause an den großen Fluss fahren und in der Sonne sitzen. Da nerven sie einen aber auch nicht mit lauten Telefon-Stimmen und stundenlangen Privatgesprächen am Handy. Oder mit Fenster auf/zu - Heizung an/aus Vorlieben, die den eigenen widersprechen.
Nah kann man sich trotzdem sein. Man kann sich an der Kreativität der anderen reiben, man kann sich privaten Trost und Beistand spenden. Man kann sich über das damalige Agenturleben amüsieren und auch gemeinsam ein wenig wehmütig werden. Ich für meinen Teil kann mir momentan so ein Agenturleben nicht mehr vorstellen. Sicher, ich habe auch noch nicht die perfekte Balance zwischen zu hause arbeiten und zu hause wohnen gefunden. Und ich habe es durchaus genossen, ein paar Kollegen mal wieder (oder auch zum ersten Mal) persönlich zu treffen. Abends mal in Boston zusammen auszugehen, oder auch tagsüber nochmal ganz anders zusammen zu arbeiten.
mediaman Boston hat in dem Sinne kein eigenes Büro. Man hat Büro-Raum im Camebridge Innovation Center. "Flex-Space" nennt sich das, wenn man morgens einfach kommt und an einem freien Platz sein Laptop einstöpselt. Die Kollegen sind jeden Tag andere, sie gehören sogar jeden Tag zu einer anderen Firma, oder sind eben freie Selbständige. Es kümmert sich jemand um die Post, irgendemand putzt auch und räumt die Küche auf. Jedenfalls stand da nix rum, außer den Snacks und Getränken, die im Mietpreis enthalten sind.
Und weil Freitag war, wird man auch noch aufgefordert, ein paar Bananen mit nach Hause zu nehmen, sonst würden sie ja übers Wochenende nur braun werden.
Die meiste Zeit, habe ich in Boston allerdings auch im Home Office gearbeitet, nur eben in dem von jemand anders.
Mit Meerblick statt Bergblick.
Aber ein bisschen Zeit gab es auch zum Nicht-Arbeiten. Zeit für Strandspaziergänge und Touristen-Ausflüge.
Nun bin ich wieder zu Hause, die Arrowleaf Balsamroot hat sich die Hänge um Missoula für den Frühling erobert.
Da kann man sich also wieder trefflich vom arbeiten ablenken. Und außerdem sitzt der nächste Besuch aus Deutschland auch schon auf gepackten Koffern. Jetzt muss ich aber doch wieder was arbeiten. Euch eine tolle Woche.
9 Comments- Add comment Written on 22-Apr-2010 by sylkeEin Uhr nachmittags, Lunch-Hour. Die Sonne strahlt vom aschefreien, dafür kondensgestreiften, Himmel. Man will draußen sitzen, am Wasser. Vielleicht im Red Rock Café, wo man so schön auf die Boston Skyline schauen kann. Dort sitzen auch schon zwei neu-engländische "Real Housewifes". Braungebrannt (aber eher drinnen als draußen), goldbehängt, mit großen Glitzersonnebrillen. Die eine hat ein Deckchen mitgebracht für ihre kleine Bulldogge, die andere hat ein Täschchen für ihr Hündchen. Sie trinken ein Glas Weißwein, dann noch eins, und noch eins, weil es ja so ein schöner Tag ist.
Zum Mittagessen gibt es Thunfisch Sashimi. Ein Häppchen für Mama, ein Häppchen für Hundi. Zehn Meter weiter spielt eine andere Frau mit ihrem Hund am Strand. Ich versuche meinen Blick auf Ihr zu halten, aber irgendwie kann ich dass ja auch in Missoula sehen und so bleibe ich doch wieder bei den beiden Luxus-Ladies hängen, bis Wein und Fisch endlich alle sind.
Anders ist es hier, an der Küste, nahe der großen Stadt mit dem vielen alten Geld. Schön, der Arbeitsplatz mit Meerblick. Lecker das Essen, nett das Treffen mit Christine, der Grafikerin, mit der ich vor ein paar Jahren mal zusammenarbeiten durfte.
Ich sauge alles auf, und freue mich doch schon wieder auf zu Hause. Mehr Hunde am Strand und weniger in Handtaschen.

0 Comments- Add comment Written on 20-Apr-2010 by sylkeAm Sonntag hab ich mir noch schnell gestreifte Füße geholt. Es war so warm, dass wir den Hausputz haben sausen lassen müssen. Das war gar keine Entscheidung. Das war einfach so. Wir haben das Boot aufgepumpt und sind mit Brandon zum Blackfoot gefahren. Ich bin gerudert, die Männer haben geangelt. Sonne, Fische, Adler, alles perfekt. Dafür war der Tag heute dann etwas gepresst: Arbeiten, Wäsche waschen, arbeiten, Friseur, arbeiten, Garten umgraben, arbeiten, packen.
Morgen früh halb 6 klingelt der Wecker, dann fliege ich nach Boston. Mal sehen, wie ich dort meine Gedanken von italienischem Essen, Atlantik und ganz viel Arbeit auf das schreiben lenken kann. Nun muss ich sie jedenfalls erst mal aufs schlafen lenken. Gute Nacht.
2 Comments- Add comment Written on 15-Apr-2010 by sylkeSo würde ich heute von einer strahlenden Carrie empfangen. Kurz dachte ich, sie wolle mich umarmen, aber dann hat sie mir doch nur die Hand gedrückt, mit echter Herzlichkeit, das weiß ich wohl zu unterscheiden. Carrie ist meine Zahn-Hygienikerin. "Dental Hygienist" heißt hier dieses Berufsbild, das ich aus Deutschland nicht kenne. Da geht man zum Zahnarzt, und weil der meist das Wartezimmer voll hat, macht die Zahnarzthelferin den Zahnstein weg.
Hier geht man, wenn man wie wir eine Zahnversicherung hat, alle drei Monate zum Teeth Cleaning - professionelles Zähneputzen sozusagen. Den Zahnarzt sieht man nur kurz im Gang ("Hi Sylke, how have you been?" - ungestütztes Erinnern an den Namen einer Patientin, die man zuletzt im Oktober behandelt hat). Carrie hat ihren eigenen Behandlungsraum und plaudert erst mal ein wenig.
"Ich bin sicher, dass Du schon mal in New York warst, du reist doch so viel, nicht war?" "Äh, ja klar war ich da schon. Mehrfach." Sie kann sich daran erinnern, dass wir übers Reisen gesprochen haben? Und weil sie am Wochenende mit Schwiegermutter und Tochter nach New York fliegt, will sie jetzt alles wissen: Was soll sie unbedingt unternehmen? (Im Dunkeln aufs Empire State Building hoch fahren). Lohnt es sich, zur Freiheitsstatue rauszufahren? (Ich würde empfehlen, einfach die Staten Island Fähre zu nehmen, um die Stadt vom Wasser aus zu sehen). Habe ich eine Empfehlung zum Essen? (Torte im Café Lalo in der Upper Westside)!
Mittlerweile hat sie ihre Finger in meinem Mund aber wenn ich nicht mehr mit Nicken oder "mhm" bzw "nhn" antworten kann, dann unterbricht sie auch kurz ihre Arbeit. "Wie geht es Eurem Hund? Lucy, oder?" "Und wie geht's Derek?" "Wie war Weihnachten alleine in Missoula?" Okay - jetzt bin ich offiziell beeindruckt. Ich frage mich ja auch schon immer bei meinen Friseur Mario, wie der sich das alles merken kann, und habe schon vermutet, dass er sich Notizen macht. Neben der Nummer meiner Haarfarbe steht dann eben auch der Name meines Hundes und dass ich im Rattlesnake Valley wohne. Aber den Friseur sehe ich immerhin alle 6 Wochen.
Nach einer Stunde bringt Carrie mich zum Empfang und fragt mich nach dem nächsten Termin. "Passt der 12. August? Oder habt ihr wieder soviel Besuch im Sommer?" Ich passe genau auf, als sie den 12. August einträgt, sie schreibt nicht noch irgendwas dazu, in ihrem Computer, sowas wie "Schwiegermutter zu Besuch". Es würde mich nicht wundern, wenn sie sich trotzdem daran erinnern wird.
8 Comments- Add comment Written on 12-Apr-2010 by sylkeDraußen riecht es frisch, immer mehr Wildblumen und frisches Grün drücken sich aus dem Boden.
Lucy wirft ihr Winterfell ab und mit zunehmenden leinenlosen Spaziergängen auch den Winterspeck. Der April macht seinem Namen nach wie vor alle Ehre: gestern blauer Himmel, 18 Grad, heute eisig scharfer Wind und die Rattlesnake Wilderness versteckt Ihre Berggipfel hinter einem tiefen Wolkenvorhang. Da muss man noch Mütze und Handschuhe tragen, aber auf dicke Winterpullis, und auf braun, grau und schwarz im Allgemeinen, habe ich gerade so gar keine Lust mehr. Irgendwie muss auch dieses Winterfell weg und was blumig frisches her, passend zur neuen "Chiffon Peony Freesia Fragrance".
Zum Abwerfen kommt am Mittwoch eine Julie-typisch spontane Idee auf den Tisch - Garage Sale mal von der anderen Seite. In der Garage von Julie und Scott eben, am Samstag.
"Okay" sage ich, etwas unvorbereitet und allgemein weniger spontan, "Ich schau mal..."
Die nächsten Tage verbringe ich damit, Schränke zu durchforsten, Schmucksäckchen und CD-Kisten durchzukramen. Mag ich mich von dem Top aus der Hamburger Schneiderei wirklich trennen? Ziehe ich die feinen Büroblusen wirklich nicht mehr an? Brauche ich wirklich nicht drei Paar schwarze Stiefel?
Tja, und dann muss man an alles auch noch ein Preisschild drankleben. Ich habe mich einfach immer gefragt, was ich dafür bei einem Garage Sale bezahlen würde.
Und dann kennt man die kleine Stadt am Fuße der Rocky Mountains auch schon so gut, dass man ahnt: Ein Fleece von North Face kann man hier teurer verkaufen, als einen Strickpullover von Dries van Noten (letzterer hat sich gar nicht verkauft, das Fleece war schon weg, als ich um 8:20 morgens bei Julie und Scott ankam).
Überhaupt war das eigentlich das spannendste - was sich verkauft und was nicht. Bon Jovi und Helmet gehen sofort weg (übrigens zum selben Käufer, was mich erst erstaunt hat, aber schließlich habe ich ja auch beides mal irgendwann gekauft), Art Brut und Muse hüten den Schuhkarton bis zum Ende. Die Richard Ford Bücher gehen alle weg, "Stupid White Men" haben wohl schon alle im Regal. Das grüne T-Shirt mit der Glitzerblume ist auch schon weg, als ich morgens ankomme, das Top aus dem M39 werde ich aber diesen Sommer selbst noch mal tragen.
Natalies Glitzerschuhe wollte niemand haben, auch nicht die entzückenden Biker-Boots.
Als ich gegen Mittag nach Hause fahre, habe ich im Auto einen Spiegel, der bald unser Bad größer wirken lassen soll,
eine Reisetasche, die mir eigentlich nicht viel leerer wirkt, als am Abend zuvor, aber auch ein Bündel Scheine in meiner "Kasse", welches dann doch bedeutet, dass einiges verkauft wurde.
Und, habt Ihr auch schon Euer Winterfell abgeworfen? Oder sonstigen Ballast (habe auch gerade mehrere Gigabyte aus meiner iTunes Bibliothek gelöscht)? Ich wünsche Euch jedenfalls eine frühlingfrische Woche.
7 Comments- Add comment Written on 07-Apr-2010 by sylkeDraußen schneits, drin säuselt Kraftfuttermischwerk und meine Finger klappern über die Tastatur. Lucy ist müde (und ich habe ihr das Kissen nicht untergeschoben, das macht sie immer selbst).
Tief #2 | mixed for Nightflight at Radio Fritz by Das Kraftfuttermischwerk
0 Comments- Add comment Written on 06-Apr-2010 by sylkeNaja, es sind keine Eier drauf, auch keine Hasen. Nicht mal Schokolade. Aber es war halt Ostern:
Samstag in den Blue Mountains:
Sonntag am Rattlesnake Creek:
Falls jemand die iPod Kopfhörer bemerkt, den hatte ich eigentlich dabei um ein bisschen Dittsche für gute Laune zu hören. Den brauchte es aber nicht. Und der Creek klang mehr nach Frühling, als es mein "Ostermix" es je hätte schaffen können.
Ach so, und hier für Mike noch zum Thema "Nagelschere" - der abschließende Schnitt am Apfelbaum:
Ich versuche mich jetzt damit abzufinden, dass es gerade wie wild schneit und bin gespannt auf's morgentliche Vorhangaufziehen. Euch eine tolle kurze Arbeitswoche. Gute Nacht.
2 Comments- Add comment Written on 05-Apr-2010 by sylkeEs ist halb zehn am Sonntag Abend. Ich atme schwer, denn ich bin gerade mit dem Fahrrad nach Hause gekommen. Von Julie und Scott, die mich zu Ahornsirup-glasiertem Lachs eingeladen hatten (hmmmmm). Vier Stunden vorher war ich gerade auf der Hollywoodschaukel die Reste im Kühlschrank durchgegangen. In Vorbereitung auf ein einsames Ostermenü. Da war noch ein Stueck Pizza. Zwei Pellkartofeln. Eier. Und eine Handvoll Salat. Zum Glück piepste mich mein Handy vorwurfsvoll an, als ich reinkam. Fünf verpasste Anrufe, zwei Nachrichten. Die erste von Julie mit der Einladung zum Essen um sechs (schneller Check auf die Uhr, zwanzig vor sechs - passt perfekt), die zweite von Derek vom Zwischenstopp in Minneapolis.
Sechs Stunden vorher hatte ich mich nämlich von Derek am Flughafen in Missoula verabschiedet. Er verbringt die kommende Woche wieder in St. Louis auf einem Projekt. Zwischen dem Flughafen und der Hollywoodschaukel war ich mit Lucy am Rattlesnake Creek spazieren. Der Weg, den ich eigentlich gehen wollte, ist aber noch bis 15. Mai für Hunde gesperrt, und so haben wir letztlich eine Stunde am Fluss in der Sonne gesessen. Vielmehr, ich habe in der Sonne gesessen und Lucy hat im eiskalten Wasser getobt.
Jetzt, sieben Stunden nach dem Sonnenbad für mich und dem Flussbad für Lucy sitze ich hier im Bett, Lucy zu meinen Füßen, die den Blick auf die Tür gerichtet hat, weil sie auf Derek wartet, mit dem ich parallel über Skype noch die letzten Worte zur guten Nacht wechsle.
Das war mein Ostersonntag. Und was treibt ihr so?
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